Gratwanderung

2011 bis 2013

Das Projekt Gratwanderung wurde für gewaltbereite und auffällige, bereits straffällig gewordene oder gefährdete, rechtsextrem orientierte männliche Jugendliche und junge Männer im ländlichen Raum (modellhaft in der Lausitz) entwickelt.

30 Oktober 2013: Fachtagung im Schloss Lübbenau

im Spreewald, 10 bis 17 Uhr

„Wohin mit den schwierigen Jungs?“ Erfolgreiche Präventionsarbeit mit Jugendlichen und jungen Männern im ländlichen Raum.
Tagungsprogramm herunterladen!
  • Vorstellung des Bundesmodellprojektes „Gratwanderung“
  • Vorträge, Handlungsansätze, Praxisbeispiele
  • Fachaustausch und Diskussion
  • Teilnehmer aus Sozialarbeit, Regionalpolitik und Wissenschaft

Ziele des Projektes

  1. Aufbau eines Männertrainings für männliche Jugendliche und junge Männer zur Entwicklung einer gewaltfreien Identitätsbildung
  2. Aufbau eines Unterstützer- und Mentorenkreises mit männlichen Autoritäten, die sich ihrer inter-generativen Verantwortung bewusst sind
  3. Anwendung und Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere ländliche Sozialräume in Deutschland

Für das Training mit den Jugendlichen stehen folgende Inhalte im Fokus

  • Biografiearbeit
  • Körper- und Ritualarbeit zu den Themen: männliche Gewalt, und Aggression
  • eine herausfordernde Reise/ Grenzerfahrung (z.B. Berg- oder Fahrradtour)
  • Themen: Frauen, Rollenbilder, lebenswerte Zukunftsbilder
  • Paten-/ Mentorenschaft zwischen Jungen und Männern

Unser Anliegen im Projekt „Gratwanderung“

Projektleiter Eike Schwarz: „Wir wissen, dass der Weg zum Mann manchmal schwierig und steinig sein kann. Oft ist er verbunden mit unbeantworteten Fragen, Enttäuschungen und Rückschritten. In unserer Kultur wird Mann nicht mehr zum Mann gemacht. Ein 'gutes, richtiges' Mannsein ist heute sehr individuell geprägt und aus unserer Beobachtung und Erfahrung heraus mit manchmal weiten Irrwegen verbunden. Rechtsextremismus, Kriminalität und Gewalt sind vor allem Themen männlicher Identitätsbildung. Aus unserer Sicht gibt es zu viele Opfer und jedes ist zu viel.

Wir haben keine fertigen Antworten. Wir erforschen, was männliche Jugendliche und junge Männer brauchen und selbst dazu beitragen können, um den Weg zum Mann ohne Gewalt und Kriminalisierung gehen zu können. Wir wollen die „Jungs“ nicht den gewaltbereiten Männerbünden, dem Strafvollzug oder politisch extremen Vereinigungen überlassen, sondern ihnen Alternativen zeigen, wie sie sich ihre Bedürfnisse erfüllen können – ohne sich und anderen zu schaden, kriminell zu werden oder andere zu verletzen und zu unterdrücken.“


Unsere persönlichen Anliegen zum Projekt

Eike Schwarz

  • Jahrgang 64
  • Vater von 4 Kindern
  • Lehrer und Pädagoge
  • Projektinitiator
  • in der Jungen-/ Männerarbeit seit 1997
Ich stehe dafür ein, dass jeder junge Mann eine Chance bekommt und auch eine zweite und dritte. Und dafür, dass jeder junge Mann dazugehört.

Marco Hintze

  • Jahrgang 74
  • Vater von 2 Kindern
  • Ergotherapeut
  • Kunsthandwerker und Krankenpfleger
  • in der Jungen- und Jugendarbeit seit 2003
Hinter Wut und Aggression stehen grundlegende Lebensgefühle, die uns manchmal den richtigen Biss geben, um unser Ziel zu erreichen. Es gibt aber eine Grenze, an der diese Gefühle unkontrollierbar werden können und in Gewalt umschlagen. Diesen Grenzbereich kennen zu lernen, zu achten und für die eigene Entwicklung nutzen zu können, bedeutet für mich eine Gratwanderung, die es sich lohnt mit anderen Männern zu gehen.

Holger Rogoll

  • Jahrgang 68
  • Vater von 3 Kindern
  • Kulturpädagoge
  • Bildungs- und Berufsbegleiter
  • IHK Ausbilder
  • seit 1998 Jungen- und Jugendarbeit
Ich kenne aus meinem Leben den Wunsch nach Zerstörung meiner Umwelt und auch nach Gewalt gegen mich selbst. Ich weiß mittlerweile, wie sehr sich dahinter das Bedürfnis nach Anerkennung in der Gruppe verbirgt – eine Sehnsucht nach einem konkreten Sinn im Leben, nach Freude und Erfüllung.

Diese Informationen sind gedacht für Menschen, die tätig sind:

  • in Schulen und Berufsschulen
  • in der Jugendgerichtshilfe
  • in der Jugendhilfe, in Kinder- und Jugendheimen
  • in der Jugendsozialarbeit
  • bei der Polizei
  • in Ordnungsämtern
  • in Sportvereinen
  • bei der Feuerwehr
  • in Sozialkonzernen (z.B. AWO, DRK)

Wie können die Jugendlichen und jungen Männer zum Projekt kommen?

Die Jugendlichen können beispielsweise durch Zuweisung der Jugendgerichtshilfe, auf Empfehlung von Mitarbeitern der genannten Institutionen, durch besorgte Eltern und durch Eigeninitiative der jungen Männer zu uns gelangen.

Darüber hinaus möchten wir unsere Ideen, Erfahrungen und Vorstellungen zu dieser Thematik mit Menschen austauschen, denen das Thema am Herzen liegt oder die sich inhaltlich in diesem Bereich an Universitäten, in Organisationen oder anderen Institutionen damit beschäftigen oder forschen. Bitte wenden Sie sich gerne an uns.


Über Manne e.V. Potsdam

Manne e.V. Potsdam entwickelt und erprobt seit 1997 verschiedenste Projekte und Arbeitsansätze der geschlechtsbewussten Arbeit mit Jungen, männlichen Jugendlichen und Männern.

Wir engagieren uns an Schulen, im Strafvollzug, im außerschulischen Bereich, in der offenen Jugend- und in der Sozialarbeit. Unsere Arbeit ist gewaltpräventiv, wertschätzend, handlungs- und ressourcenorientiert. Wir bieten praxisorientierte Qualifizierungen, Fortbildungen und Fachberatungen für Mitarbeiter und Einrichtungen aus sozialen und pädagogischen Bereichen an (mehr Infos unter mannepotsdam.de).

Wir stellen uns mit unseren individuellen Lebensentwürfen und unserer individuellen Männlichkeit zur Verfügung und folgen unserem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der nachfolgenden Generation.Wir geben Jungen und jungen Männern Orientierung, positive Führung und Halt. Wir begleiten sie ein Stück auf ihrem Weg zu Selbstverantwortung.


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